Besondere Bindung von Julia und Püppi © Friederike Scheytt

Besondere Bindung: Püppi und Julia haben in ihren gemeinsamen Jahren viel erlebt. Zirzensik gehört zu den Lieblingsaufgaben der kleinen Stute.

Manche Begegnungen fühlen sich im ersten Moment unscheinbar an – und verändern doch ein ganzes Leben. Als ich Püppi das erste Mal sah, war ich 15 Jahre alt. Meine Reitlehrerin nahm mich damals eher beiläufig mit, um mir ein Fohlen zu zeigen. Auf dem Hof, auf dem ich ritt, wurde nicht gezüchtet, und sie meinte nur zu mir: „Du hast doch noch nie ein Fohlen gesehen, ich nehme dich jetzt mal mit.“

Das Fohlen war natürlich niedlich, aber mein Blick blieb an seiner Mutter hängen, an Püppi, die eigentlich Cat Lynn heißt. An dieser Stute mit dem auffälligen Gesicht, dem vielen Rosa und den blauen Augen. Während meine Reitlehrerin auf der Rückfahrt meinte, dass ihr diese Zeichnung eigentlich nicht gefalle, wusste ich nur eines: Ich fand sie wunderschön.

Manchmal erkennt man sein Herzenspferd zu spät

Ein knappes Jahr später änderte sich alles. Püppis Besitzerin konnte nach einem schweren Bandscheibenvorfall nicht mehr reiten – und erinnerte sich an mich. So wurde ich Püppis Mitreiterin. Eigentlich war nie geplant, dass dieses Pferd verkauft werden sollte. Und als es dann doch zur Debatte stand, lehnte ich ab. Ich war jung, hatte große Pläne, und mein Ego flüsterte mir zu, dass ich doch gefälligst „mein erstes eigenes Pferd“ selbst ausbilden müsse.

Außerdem war Püppi mir vermeintlich zu alt. Eine Entscheidung, die ich schon kurze Zeit später bereute. Denn obwohl sie verkauft wurde, blieb ich an ihrer Seite. Ich ging als Reitbeteiligung mit in den neuen Stall – und blieb. Jahrelang. Jahre, in denen ich immer wieder spürte, dass da mehr war. Dass sie längst mein Pferd war – nur nicht auf dem Papier. Die Bindung zum Pferd war längst da, auch wenn mir das damals noch nicht bewusst war.

Die Bindung zum Pferd war stärker als jeder Zweifel

Erst Ende 2012 änderte sich das. Nach vielen Jahren des Zweifelns, Wartens und auch Leidens fasste ich mir endlich ein Herz und sprach die Besitzerin an. Kurz darauf hing alles an einem seidenen Faden: Ihr zweites Pferd war mit einer schweren Kolik in der Klinik. Und hätte es dieses Tier nicht geschafft, wäre Püppi nie zu mir gekommen. Doch das Pferd kämpfte – und überlebte. Und plötzlich sagte die Besitzerin zu mir: „Ich wollte dich eigentlich schon länger fragen, ob du sie nicht übernehmen möchtest.“ Am 29. Dezember 2012 unterschrieb ich den Kaufvertrag. Ein paar Tage später zog Püppi zu mir um. Endlich.

2013 ließ ich mir sogar ihren Namen tätowieren. Denn was danach kam, war mehr als „nur“ reiten. Püppi hat mich geprägt – als Reiterin und als Menschen. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, auf den Charakter eines Pferdes einzugehen. Wie viel Vertrauen wirklich bedeutet. Und dass man manchmal weiterkommt, wenn man Dinge weglässt, statt immer mehr hinzuzufügen. Zeitweise ritt ich sie nur mit Halsring. Aus diesem Vertrauen heraus konnten wir später wieder mit Zäumung arbeiten. Aber der Weg dahin hat mir mehr beigebracht als jedes Lehrbuch: Mit ihr bin ich gewachsen.

Julia mit Tattoo und Püppi

Unter der Haut verewigt: Den Namen ihres Herzenspferdes Püppi, das eigentlich Cat Lynn heißt, hat sich Julia in die Innenseite ihres Oberarms tätowieren lassen. (© Privat)

Klein, bunt und unvergesslich

Ich habe sie zu den Lehrgängen für meine Trainerscheine mitgenommen, wir präsentierten uns gemeinsam auf Messen, haben Showauftritte gemacht. Zwischen großen Warmblütern und Lusitanos war sie das kleine, bunte Pony – und doch immer diejenige, die auffiel. Sie war mutig, präsent, eine echte Persönlichkeit. Eine Rampensau – im besten Sinne.

Und sie war ehrlich. Wenn ihr etwas nicht passte, hat sie es mir deutlich gezeigt. Auch mitunter schmerzhaft. Aber genau das hat unsere Beziehung so besonders gemacht. Denn irgendwann kam der Moment, in dem ich ihr wirklich sagte: „Du bist mein Pferd.“ Und ab da wurde unsere Verbindung noch einmal tiefer.

Die Bindung zum Pferd bleibt ein Leben lang

Heute ist Püppi 33 Jahre alt. Sie ist in Rente, aber aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil: Unsere Beziehung ist mit den Jahren nur intensiver geworden. 2018 habe ich ihr etwas versprochen: Dass sie nie wieder irgendwo anders übernachten muss. Dass sie einfach zu Hause sein darf. Und ich halte mich daran.

Das letzte Mal geritten bin ich sie Anfang 2023, für ein Video – nur zehn Minuten. Sie war damals schon über 30, aber sie hat noch einmal alles gezeigt: Kraft, Ausdruck, Präsenz. Von allen eingesandten Videos wurde am Ende ihres ausgewählt. Es war unser letzter Ritt. Und ein perfekter Abschluss für einen besonderen Lebensabschnitt. Heute genießen wir einfach jeden Tag. Denn Püppi ist mehr als ein Pferd für mich. Sie ist mein Zuhause.

Stellen Sie uns Ihr Herzenspferd vor!

Sie haben auch ein Herzenspferd, von dem Sie uns erzählen möchten? Dann melden Sie sich bei uns und seien Sie Teil von Hooforia! Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an: [email protected]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert