Bibi, Tina, Amadeus und Sabrina © Kiddinx

Lisa-Marie Koroll & Lina Larissa Strahl sind mit ihren Filmpferden eng zusammen gewachsen.

Bibi & Tina feiern dieses Jahr Jubiläum – Seit 35 Jahren begeistern die Geschichten rund um die beiden besten Freundinnen und ihre Pferde Millionen von Menschen. Für viele Mädchen beginnt auf dem Martinshof ein Hobby, das sie von nun an ein Leben lang begleitet. Warum berühren uns diese Charaktere so sehr und was lernen Kinder und Jugendliche auf den Abenteuern in Falkenstein?

Eine idyllische Kulisse

Die Kinofilme, die Serie und die Hörspiele stehen für Sommer, Freiheit, Freundschaft und das Gefühl, gemeinsam mit Pferden in eine andere Welt, voller kleiner und großer Abenteuer, einzutauchen. Hooforia gegenüber hat Drehbuchautorin Bettina Börgerding verraten, dass sie damals eigentlich keines der klassischen Pferdemädels war. Zwar hatte sie viele Freundinnen, die Pferdemädchen waren und sie mit in  Reitställe nahmen, doch erst durch die Arbeit an Bibi & Tina entstand ein tieferer Bezug zur Pferdewelt.

Für die Filme begann damals erstmal eine intensive Recherchephase rund um Pferde. Außerdem wurden Gestüte besichtigt, Drehorte gesucht, Landschaften erkundet und die Frage gestellt: Welcher Hof könnte später einmal der Martinshof werden? All das bleibt bei Bettina Börgerding als eine besonders intensive, schöne Zeit in Erinnerung.

Was mich interessiert hat: Freundschaft, Landleben, Abenteuer.

Erzählt wird ein Gefühl von Freiheit, Naturverbundenheit und Zusammenhalt. Pferde sind ein zentrales Thema, stehen aber nicht unbedingt immer im Mittelpunkt.

Tina reitet auf Amadeus

Für viele Kinder und Jugendliche waren die Bibi & Tina-Geschichten der erste Anreiz, um Reiten zu lernen. (© Kiddinx)

Wie entsteht eigentlich eine Pferdegeschichte?

Am Anfang eines Drehbuchs steht für Börgerding meist zuerst ein Thema oder eine bestimmte Stimmung. Die Figuren von Bibi und Tina und einige andere Rahmenbedingungen waren zwar gesetzt, vieles andere konnte aber frei erfunden werden. Gerade beim ersten Film wollte die Drehbuchautorin das Pferdethema besonders stark erzählen. Ein großes Pferderennen steht hier im Fokus. In den späteren Teilen wurden Pferde zwar weiterhin mitgedacht, rückten aber etwas stärker in den Hintergrund zugunsten der Abenteuer und Geschichten rund um die Figuren. Dabei spielte auch das Lebensgefühl auf dem Land eine wichtige Rolle.

Das Gespür für Natur und das Feeling auf dem Land zu leben sollte rübergebracht werden, so bin ich auch aufgewachsen.

Die Filme zeigen keine perfekte Realität, sondern eine warme, fast zeitlose Welt, in der Abenteuer noch möglich scheinen und in der es zwar Probleme gibt, aber auch immer Familie, Freunde und Nachbarschaft, die mit einem durch Dick und Dünn gehen und gemeinsam eine Lösung finden.

Doktor Eichhörnchen, Bibi und Tina sorgen sich um ein Fohlen

Der Regisseur Detlev Buck spielt Dr. Eichhörnchen, den treuen Tierarzt. (© Kiddinx)

Warum Pferdegeschichten wie Bibi & Tina Menschen tief berühren

Für Bettina Börgerding liegt die Faszination nicht nur in Pferden selbst, sondern grundsätzlich in der Beziehung zwischen Menschen und Tier. Pferde nehmen dabei aber eine ganz besondere Rolle ein. Sie sind keine klassischen Haustiere. Mit ihnen kann man hinausgehen in die Welt und sie sind Gefährten, mit denen man gemeinsam etwas erleben kann und oft eine sehr innige Beziehung aufbaut. Beim Dreh konnte Börgerding beobachten, wie eng die Verbindung zwischen Hauptdarstellerin Lina Larissa Strahl und ihrem Filmpferd wurde.

„In diesem Genre finden sich viel Abenteuer und ganz innige Beziehungen – das ist einfach wahnsinnig schön.“ Gerade junge Menschen fühlen sich oft stark zu solchen Geschichten hingezogen. Pferde verkörpern Freiheit, Abenteuerlust und gleichzeitig Nähe und Verlässlichkeit. Vielleicht liegt darin ein Teil ihrer zeitlosen Anziehungskraft.

Junge Menschen fühlen sich zu Abenteuern hingezogen und sie wollen sich ausprobieren. Vielleicht sehnen sie sich auch nach einem Wesen, das einem nicht widerspricht, das aber dennoch etwas ganz Eigenes hat und ein Partner wird.

Bibi reitet ein Wettrennen

Lina Larissa Strahl hat erst während der Vorbereitungen zu den Dreharbeiten das Reiten gelernt. (© Kiddinx)

Freundschaft, Zusammenhalt – und schräge Charaktere

Neben den Pferden standen für Börgerding immer auch zwischenmenschliche Werte wie Freundschaft und Toleranz im Mittelpunkt. Freundschaft bedeutet für sie vor allem Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Wichtig war ihr außerdem, unterschiedlichste Charaktere nebeneinander existieren und für sich stehen zu lassen – auch schräge, ungewöhnliche oder unangepasste Figuren. „Man kann noch so schräg sein, es ist in Ordnung. Jeder kann so sein, wie er möchte.“ Und trotz aller Themen sollten Bibi & Tina immer auch Spaß machen. Auch die Musik lag ihr sehr am Herzen.

Am Ende sind es Popkomödien!

Holger mit seiner Gitarre

Mädchenschwarm Holger in seinem Element. (© Kiddinx)

Fantasie und Verantwortung bei Bibi & Tina

Heute wird mehr und sensibler über Tierwohl gesprochen als früher – auch bei den Dreharbeiten zu einem Film, in dem Tiere mitspielen. Natürlich habe sie sich deshalb viele Gedanken darüber gemacht, wie Pferde dargestellt werden, erzählt Börgerding. Beim Dreh arbeitete das Team eng mit erfahrenen, achtsamen Pferdetrainerinnen zusammen, die sowohl die Pferde betreuten als auch den jungen Schauspielerinnen liebevoll und geduldig das Reiten beibrachten.

„Wir hatten so coole Tiertrainer für die Pferde, die haben alles richtig gemacht. Nicht nur mit den Pferden, auch mit den Kindern. Ich habe mich auch viel ausgetauscht mit Wenka von Mikolicz, die reitet selbst und war die Dramaturgin bei diesem Projekt. Mit ihr konnte ich immer Rücksprache halten und oft konnten wir gemeinsam mit den Filmpferdetrainerinnen darüber sprechen, was möglich ist und was nicht.“

Die Filmcrew am Set

Regisseur Detlev Buck habe laut Börgerding genau die passende Portion Komik und Schrägheit für die Filme mitgebracht. (© Kiddinx)

Bibi & Tina: Film vs. Realität

Im echten Leben sind Pferde nicht jederzeit “reitbereit“, vor einem wilden Wettrennen muss aufgewärmt werden und die Verantwortung endet nicht nach dem Abenteuer. Manchmal wollen Pferde auch schlichtweg nicht wie wir.  Gleichzeitig sei aber klar: Ein Spielfilm könne niemals den kompletten Alltag rund ums Pferd zeigen.

Dinge, die filmisch langweilig wären, müssen ausgespart werden. Die Bibi & Tina-Filme sind keine Dokumentarfilme, sie zeigen Abenteuer mit Pferden – da darf man sich nicht zu sehr beschneiden.

Trotzdem tragen Geschichten Verantwortung – besonders dann, wenn sie sich an Kinder und Jugendliche richten. Da sind sich die Drehbuchautorin und Hooforia einig. „Wenn es um Tierwohl geht, muss das auch dargestellt werden. Man kann zum Beispiel Antagonisten entwerfen, die durch Fehlverhalten ein Pferd gefährden.“

Alexander auf einem Ausritt

Weil Pferde eben nicht nur was für Mädchen sind: Alexander mit seinem Ikarus. (© Kiddinx)

Ende gut, alles gut

Nichtsdestotrotz findet Börgerding aber auch, dass Kinderfilme weiterhin Orte zum Träumen und Entfliehen bleiben dürfen. Vielleicht liegt auch genau darin die besondere Kraft solcher Geschichten: Sie zeigen nicht unbedingt die Welt, wie sie ist – sondern manchmal die Welt, die Kindern und Jugendlichen besser gefallen würde. Eine Welt, nach der sie sich sehnen und in der Freundschaft, Toleranz, Freiheit und Abenteuer großgeschrieben werden. Wenn Bettina Börgerding heute auf Bibi & Tina blickt, wünscht sie sich vor allem, dass die Filme und die Serie Folgendes transportieren:

Freude, Freiheit, Spaß und Zusammenhalt.

Eine Welt, in der man sich wohlfühlt, in der man sich aufeinander verlassen kann und wo am Ende alles gut ausgeht.

Portrait Bettina Börgerding

Drehbuchautorin Bettina Börgerding im Interview mit Hooforia. (© Bettina Börgerding)

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