Mit einer Rittigkeitsnote von 8,5 sicherte sich David Taylor mit Obsidian Cadillac den dritten Platz bei den dreijährigen Reitpferde-Hengsten
Weg von Spektakel und künstlich erzeugten Spannungstritten, hin zu reeller Ausbildung, Natürlichkeit und Losgelassenheit. Während die Dreijährigen sich vor Publikum präsentieren und die Titel des Bundeschampions zum Greifen nahe sind, ertönt die Klingel. Ein Reiter wird gebeten das Viereck zu verlassen. Mental war sein Pferd mit der Atmosphäre noch sehr überfordert, was dazu führte, dass es auch während der Prüfung weiterhin aufgeregt blieb. „Es ist mit der Gesamtsituation überfordert“, erklärt ein Richter und fügt hinzu:
„Das müssen wir akzeptieren und auf das Pferdewohl Rücksicht nehmen.“
Im Schritt verlässt das Paar die Bahn. Kurze Zeit später wird ein anderer Reiter gebeten, sein Pferd mehr in einer Remontenhaltung zu reiten und keine Aufrichtung mit der Hand zu erzwingen. Wird sich nun wirklich auch nachhaltig etwas ändern, sodass Pferde nicht mehr nur bis zum Himmel strampeln, sondern ganz andere Faktoren ein hohes Gewicht bei der Bewertung haben?
Exterieur am Vortag: Entlastung für die Youngster
Um die Jungpferde zu entlasten, wurde das organisatorische Konzept dafür vorab gezielt angepasst. Die dreijährigen Nachwuchstalente traten in Warendorf nur noch zu einer einzigen Reitpferdeprüfung an, ohne anschließendes Mustern. Direkt nach der Prüfung erfolgt die Ehrung der neuen Bundeschampions der jeweiligen Altersklassen. Deshalb findet die Fundament- und Exterieurbeurteilung bereits am Vortag im Rahmen des Vormusterns in der Springhalle statt. Die dort ermittelte Gebäudenote bringen die Pferde somit direkt als festen Wert mit in das Viereck.
Trotz der Neuerungen bleibt es bei den gewohnten fünf Einzelnoten, doch ihre Zusammensetzung setzt völlig neue Akzente. Aus Richtersicht erläuterte Wolfgang Egbers transparent, worauf das Gremium künftig explizit Wert legt: „Der Gesamteindruck als Reitpferd speist sich aus der Gebäudenote vom Vortag sowie aus dem Gesamteindruck unter dem Sattel.“
So soll nicht allein eine einzelne herausragende Gangart über die Bewertung entscheiden, sondern das gesamte Bild des jungen Pferdes – von seinen körperlichen Voraussetzungen bis zu seiner Vorstellung unter dem Sattel.
Schluss mit Gestrampel: Natürlichkeit im Mittelpunkt
Neu ist auch die Vorreitergruppe. Wer den Auftakt der Reitpferdeprüfungen in Warendorf verfolgt, sieht sie direkt als Erstes im Viereck. Die Reiter-Pferd-Paare gehen außer Konkurrenz an den Start, bevor das Feld der dreijährigen Nachwuchstalente offiziell um die begehrten Finaltickets kämpft. Unter realistischen Bedingungen absolvieren sie die jeweilige Aufgabe, kommentiert von den Richtern. Diese Live-Analysen dienten nicht nur der Transparenz, sondern zielten direkt darauf ab, das Auge des Publikums zu schulen.
Die reiterlichen Fähigkeiten sollen so eingesetzt werden, dass die Pferde in ihrer Natürlichkeit erstrahlen – ohne aufgespannte Hälse oder spektakulär erzwungenes „Gestrampel“. Gefragt ist eine altersgemäße Anlehnung, Losgelassenheit und ein natürliches Gleichgewicht, bei dem Vor– und Hinterhand auf geraden wie gebogenen Linien harmonisch korrespondieren. Eine positive Körperspannung, bei der das Pferd von hinten nach vorne an die Hand herangeritten wird, ist erlaubt. Spannungstritte hingegen nicht.
Ins Gespräch gebracht wird immer wieder der Begriff Remontenhaltung. Ein zukunftsweisendes Signal, das Ausbildungskultur und Tierwohl im Championatssport nachhaltig vereinen soll. Bei der Vorstellung des Vorreiters geht es für das Richtergremium auch darum, den feinen Unterschied zwischen einer altersgemäßen, natürlichen Umweltreaktion und echter mangelnder Rittigkeit präzise abzuwägen.