Aachen 2026: Es war ein Fest!
Das waren sie nun also: Die Weltmeisterschaften 2026. 20 Jahre nach jenen Weltreiterspielen 2006, jenem Sommermärchen, das für mich zur Berufung wurde.
Und eins ist klar: Es war wieder ein Sommermärchen!
Ein paar Momente …
Nicht nur einmal wurden Erinnerungen wach, sondern ganz häufig. Etwa, als Marcus Ehning dieses Mal alle Hindernisse mit dem coolen Coolio im Nationenpreis fehlerfrei überwand und es eben keinen ‚Mauerfall von Aachen‘ wie 2006 gab. Stattdessen Jubelstürme und Freudentaumel über Gold!
Den erlebte auch Brianne Beerbaum als Zuschauerin mit. Zuvor war sie mit Kiss Me selbst auf dem Heiligen Rasen in der Junge-Reiter-Konkurrenz unterwegs gewesen. Ein bewegender Moment für die 16-Jährige, 20 Jahre nach der doppelten Bronzemedaille ihrer Mutter. Ein bewegender Moment auch für mich, die ich 2007 meinen ersten Artikel über Meredith Michaels-Beerbaum schrieb und im Rahmen der WM 2026 mit ihrer Tochter ein Interview führte.
Besonders gefreut habe ich mich für Raphael Netz bei seinem WM-Debüt. Mein erstes Interview mit Raphi habe ich geführt, als er 15 Jahre alt war und als großes Ziel angab, eines Tages das Goldene Reitabzeichen am Revers tragen zu wollen. Seitdem haben wir uns immer wieder gesprochen, zu einem Kaffee mit Familie Werndl in Nürnberg Stunden zusammengesessen. Raphael war dabei immer bescheiden, immer sympathisch, immer pro Pferd. So soll es sein!
Und dann waren da Sophie Hinners und Richard Vogel. Ich hätte beiden auch Einzelgold gegönnt. Geworden ist es die Goldmedaille als Teil des deutschen Springreiter-Teams. Auch Sophie habe ich über Jahre immer wieder interviewt und war dabei, als ihre Karriere mit Million Dollar einen ersten Höhepunkt erlangte. Über Sophie kam ich mit Richard in Kontakt. Damals waren sie ein Paar. Heute betreiben gemeinsam mit David Will das Gestüt Prinzenberg und halten trotz Liebes-Aus fest zusammen. Vielleicht sogar fester als zuvor, wusste Sophie zu berichten. Es ist jedenfalls schön zu sehen, wie gut die beiden als Freunde nach wie vor harmonieren, sich in Aachen unterstützten und nicht von der Seite des anderen wichen, wenn es auf dem Weg zu Gold drauf ankam.
Die Medaillen der Para-Dressurreiter waren ebenfalls besonders. Erst kurz vor der WM hatte ich Helen Brandt kennengelernt. Eine tolle junge Frau, die noch viel erreichen wird. Im Leben wie im Sport. Und die mutige ‚Wind of Change‘-Kür am Sonntag ließ nicht nur mich jubeln. Dass Helen mit Bronze belohnt wurde, machte es noch schöner! Und Regine Mispelkamp, die ich seit Jahren ebenfalls begleite, sammelte gleich drei Medaillen. Sie ist ein besonderer Mensch, mit dem man über vieles sehr intensiv sprechen kann. Über Pferdeliebe und über Akzeptanz. Darüber, dass wir alle Teil eines großen Ganzen sind. Im Pferdesport. Und von diesem großen Ganzen, das sich Welt nennt und auf Liebe und nicht Hass aufgebaut werden sollte.

Das Para-Team aus Deutschland mit Regine Mispelkamp, Heidemarie Dresing, Anna-Lena Niehues und Helen Brandt. (© S. Lafrentz)
Ich habe mit den Voltigierern gejubelt, die wie 2006 von Erfolg zu Erfolg turnten. Und ich habe mit Michael Jung und Chipmunk gezittert, die sich nur einen einzigen Zeitfehler erlauben durften und habe gejubelt, als Michi all diesem Druck standhielt. Mitgefiebert habe ich jedoch auch besonders bei Julia Krajewski und Nickel. Ich kenne den ‚kleinen Nickel‘ seit er damals mit Juniorin Sophia Rössel unterwegs war. Als Julia ihn übernahm, war ich fasziniert, wie gut und schnell die beiden zusammenfanden. Es war und ist eine Freude, das zu erleben. Und ich freue mich immer über Gespräche mit Julia und ihrer Mutter Christina, die als Gebissberaterin unterwegs ist und schon viele Beiträge mit mir gemeinsam ausgearbeitet hat.

Michael Jung und sein fischerChipmunk: Der Moment des Sieges. (© www.sportfotos-lafrentz.de/Dirk Caremans)
Erleichtert war ich derweil in jenem Moment, als die letzte Runde im Einzelfinale von Scott Brash und Hello Mango fast in eine Katastrophe mündete. Ich hoffe stets, dass mir erspart bleibt über ein schreckliches Unglück zu berichten. Aber natürlich habe ich in den fast 20 Jahren, die ich nun im Reitsport-Journalismus unterwegs bin, immer wieder derartige Themen vor mir liegen gehabt. In Aachen glücklicherweise nicht. Hello Mango galoppierte putzmunter durchs Hauptstadion. Scott Brash rappelte sich – bestimmt mit jeder Menge blauer Flecken – auf. Beide sind gesund und munter. Das ist es, was im Sport am Ende wirklich zählt!
Ein paar Zahlen …
Es war eine WM der Superlative, diese WM Aachen 2026. Das Sommermärchen vom 11.08. bis zum 23.08.2026.
13 Tage lang gab es Top-Sport, aber auch bewegende Schaubilder, wie die Haflinger Quadrille mit dem Weltrekord von 158 Pferden, die Leute ans Thema Pferd heranführten, die sonst nur wenig mit Pferden am Hut haben. Ich habe die kleine Alexandra vor mir gesehen, die von diesem Allianz Park Familientag restlos begeistert gewesen wäre.
177 Medaillen wurden vergeben.
751 menschliche Sportler waren bei der WM dabei.
816 Pferde hatten in Aachen ihre Luxus-Boxen bezogen.
43.531 Worte habe ich für euch im HOOFORIA-Wachmacher und HOOFORIA Live über diese Zeit hinweg geschrieben.
305.951 Zeichen sind das, die meine Finger insgesamt flink in die Computertastatur einhämmerten.
Dazu kommen unzählige Fotos, die gepostet wurden.
Zahllose Social Media Posts, Reels und Stories, die vom einfach nur fantastischen HOOFORIA-Team bei Instagram und von mir bei Facebook in die Welt geschickt wurden. (An dieser Stelle, 100.000 Dank für das, was das ganze Team aus jedem meiner Artikel gemacht habt!)
Zudem habe ich weitere Artikel und Interviews an euch in die Welt hinaus geschickt: Von Raphael Netz bis Regine Mispelkamp, von Julias Mutter Christina Krajewski bis Britt Roth, von Frederic Wandres bis Helen Brandt, von Anna Mareike Meier bis Kathrin Meyer sowie sechs Nationen Checks aller WM-Disziplinen.
Kurz: Es wurde nicht langweilig! Vor der WM nicht. Während der WM nicht. Und am Tag danach noch immer nicht!
Ein Resümee …
Waren die vergangenen 13 Tage (und die mehr als 30 Tage, die zuvor bereits immer deutlicher Richtung Aachen zeigten) anstrengend? Ja! Und manchmal blieb zu wenig Zeit zum Essen, Schlafen und andere menschliche Bedürfnisse.
Würde ich das alles sofort, ohne zu zögern, wieder machen? Nun, vielleicht nicht morgen, aber beim nächsten Großereignis ganz bestimmt!
Das großartige HOOFORIA-Team, das während der WM noch enger zusammengewachsen ist, hat seinen Teil dazu beigetragen. Danke, dass meine Arbeit bei euch so große Wertschätzung erfährt. Eure Worte berühren und beflügeln mich! Und ich habe durch euch gelernt, dass ich ein ‚Lebendiges Lexikon‘ bin.
Mein größter Dank geht aber natürlich an die Sportler, an unser deutsches Team, aber vor allem der gesamten weltweiten Reitsport-Familie, die hier zusammengefunden hat. Wie schon 2006 habt ihr Emotionen ausgelöst, die für immer bleiben!

Das Podium im Einzel der Springreiter: Sieger Steve Guerdat mit Thibeau Spits und Harry Charles (© S. Lafrentz)
Selbstverständlich sollte sich noch ganz viel bewegen im Sport für eine bessere Zukunft, für mehr positive Berichterstattung und vor allen Dingen mehr #doitride und damit Tierwohl. Dazu können wir alle beitragen und es ist ein Anliegen, das mich weiterhin bei aller Begeisterung für den Sport immer begleitet.
Aachen 2026 war groß.
Aachen 2026 war bewegend.
Aachen 2026 macht Lust auf mehr!
Vielleicht ja auf Aachen 20…? Als Journalistin? Ja, absolut!
Gern mit einem Talent, das ich in diesen Tagen auf seinem Weg als Journalistin begleiten darf. Genau wie meine Idole mir seinerzeit einen Weg in den Journalismus zeigten. Wird es die Siegerin im Finale des U25-Springpokals, Britt Roth, sein? Oder Brianne Beerbaum, genau wie ihre Mutter? Träumen ist ja erlaubt.
Denn Träume sind schließlich nicht dazu da, dass sie mit einem zweiten großen Aachener Moment enden, sondern dass sie weitergeträumt werden …


