Mann hält Pferd am Kopf © Christiane Slawik

Beim Leasing sollen Eigentümer und Reiter strukturierter zusammenfinden – mit klar geregelten Verantwortlichkeiten, Verträgen und möglichen Kaufoptionen.

Gerade im Spitzensport ist es schon üblicher, dass Pferde nicht gekauft, sondern für einen bestimmten Zeitraum genutzt werden. Nun entstehen auch im Freizeitbereich immer mehr solcher Angebote. Die Idee: Eigentümer und Reiter sollen strukturierter zusammenfinden – mit klar geregelten Verantwortlichkeiten, Verträgen und möglichen Kaufoptionen. Dr. Kathrin Schütz sieht im Leasen von einem Pferd allerdings nicht nur Vorteile, sondern hat auch Bedenken:

„Aus meiner Sicht muss ein Pferdeleasing sehr gut überlegt und für alle Parteien wirklich stimmig sein. Dann kann es eine gute Option sein. Nicht nur der neue Reiter und das Pferd müssen gut zusammenpassen, sondern auch der aktuelle und der neue Pferdebesitzer. Es darf nicht darum gehen, das eigene Pferde loszuwerden und dabei noch richtig Geld aus der ganzen Sache herauszuholen. Wenn es menschlich nicht passt, kann es bei so einem emotionalen Thema wie einem Pferd auch kritisch werden.“

Welche Vorteile hat es, ein Pferd zu leasen?

  • geringere finanzielle Einstiegshürde
  • Möglichkeit, Pferd und Reiter in Ruhe kennenzulernen
  • mehr Flexibilität für beide Seiten
  • Pferde bleiben im Training und in Bewegung
  • Kaufentscheidungen können später fundierter getroffen werden
  • ein Pferd kann in einem passenden Umfeld bleiben, statt vorschnell verkauft zu werden

Gerade im höheren Sport geht es beim Leasing oft nicht um irgendein Pferd, sondern um sogenannte Lehrmeister: erfahrene Pferde, die bereits das Reisen, schwere Parcours bzw. Dressurprüfungen und internationale Turniere kennen. Solche Pferde kosten beim Kauf schnell sechsstellige Summen – Leasing kann dann oft überhaupt erst die Chance eröffnen, auf diesem Niveau mitzuhalten. Damit ein Leasingmodell wirklich funktioniert, braucht es allerdings deutlich mehr als nur einen Vertrag.

Entscheidend für erfolgreiches Pferdeleasing sind:

  • ein Pferd, das mit wechselnden Reitern und neuer Umgebung gut zurechtkommt
  • ein Reiter, der dem Pferd reiterlich und vom Management her gerecht wird
  • klare Absprachen zu Laufzeit, Kosten, Tierarzt, Hufschmied und Versicherung
  • ein schriftlicher Vertrag
  • regelmäßige Kommunikation zwischen Besitzer und Leasingnehmer
  • ein gutes Gefühl, dass das Pferd wirklich passend untergebracht wird

Denn gute Pferde werden selten einfach an irgendwen vergeben. Besitzer achten sehr genau darauf, wer ein Pferd bekommt, wie geritten wird und wie das gesamte Umfeld aussieht. Empfehlungen, persönliche Kontakte und gegenseitiges Vertrauen spielen deshalb eine große Rolle.

Wer darf ein Pferd leasen – und wer nicht?

Trotzdem bleiben viele wichtige Fragen: Was passiert, wenn das Pferd krank wird oder sich verletzt? Wer entscheidet über Klinik, OP oder sogar Einschläfern? Wer trägt die Kosten? Wie oft darf ein Pferd den Stall oder den Menschen wechseln? Wann wird ein Pferd zur „Nutzungsressource“? Ist ein Leasingmodell wirklich immer pferdefreundlicher als ein Verkauf? Und was empfindet denn das Pferd bei diesem Modell, wenn häufig getauscht wird?

Ein Besitzerwechsel ist laut Wissenschaftlern für Pferde eine tiefgreifende Veränderung, die oft mit Stress und einer Phase der Umgewöhnung verbunden ist. Pferde sind Gewohnheitstiere und soziale Wesen, deren Sicherheitsempfinden stark an Routinen, vertraute Artgenossen und Bezugspersonen gebunden ist. Der Verlust der gewohnten Umgebung und der Bezugsperson kann Stress auslösen.

Kind im Heu mit Pony

Enge Verbindung: Nicht nur für Menschen kann es schwierig sein, sich von einem Pferd wieder zu trennen. (© Christiane Slawik)

Wie belastend ist ein Besitzerwechsel?

Dies äußert sich oft durch Nervosität, Wiehern, Appetitlosigkeit, verändertes Verhalten beim Reiten oder sogar Teilnahmslosigkeit. Während manche Pferde gelassen reagieren, zeigen andere Anzeichen von Trauer oder starkem Trennungsschmerz. Pferde bauen enge Bindungen zu Menschen auf. Ein Wechsel kann daher als Verlust einer sozialen Bezugsperson empfunden werden, was das Tier verunsichert.

Pferde haben ein ausgezeichnetes Langzeitgedächtnis und erinnern sich an Menschen oft über Monate oder sogar Jahre hinweg. Sie erkennen vertraute Personen anhand von Stimme, Geruch und Gesichtszügen wieder, selbst wenn sie diese sechs Monate oder länger nicht gesehen haben. Besonders prägende emotionale Erfahrungen – positiv wie negativ – bleiben oft ein Leben lang im Gedächtnis. Die Fähigkeit, Menschen wiederzuerkennen, spielt eine entscheidende Rolle in der Bindung und Ausbildung, da Pferde gelernte Lösungsstrategien und Verhaltensmuster sehr lange speichern.

Pferde vergessen Menschen nicht

Aber genau das stellt ein großes Problem beim Leasing dar. Negative Erfahrungen werden vom Pferd abgespeichert und behalten. Und positiven Zeiten und Erfahrungen wird hinterhergetrauert. Ein ständiger Wechsel von Umgebung und Besitzern ist für Pferde purer Stress und entspricht nicht ihrem Naturell. Anna Stry ist Bereiterin und hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Die Erfahrungen mit den jungen Pferden und der Prägung, die sie durch jede Person erfahren, spiegelt die Ansicht der Wissenschaftler wider:

Ich glaube, man unterschätzt oft, wie sensibel Pferde sind, wie viel sie wahrnehmen und wie stark sie Bindung sowie Vertrauen zu Menschen aufbauen können. Pferde reagieren sehr bewusst auf Veränderungen, sei es ein neuer Stall, neue Abläufe oder ein neuer Mensch an ihrer Seite. – Anna Stry –

Sie selbst beschreibt die Arbeit mit Jungpferden als ihre größte Leidenschaft: „Gerade in dieser sensiblen und prägenden Phase werden Vertrauen, Verständnis und die Grundlagen für das gesamte spätere Pferdeleben geschaffen. Ein Pferd auf diesem Weg begleiten zu dürfen ist für mich jedes Mal etwas ganz Besonderes.“

Warum Vertrauen für Pferde so entscheidend ist

Auf die Frage hin, ob sie der Meinung ist, dass es für Pferde schwer sein wird, sich mit einem Leasing zurechtzufinden, meint sie: „Gerade in der Arbeit mit Jungpferden erleben wir das häufig. Durch Ruhe, klare Routinen und tägliche Arbeit entsteht dann oft schnell Vertrauen. Genau daran merkt man, wie wichtig Verlässlichkeit und eine gute Beziehung für Pferde sind. Deshalb braucht es mit neuen Bezugspersonen in der Regel immer etwas Zeit, und man sollte ihnen diese Zeit auch geben.“

Ganz ablehnen will sie die Idee des Pferdeleasings jedoch nicht. Ihrer Meinung nach ist es auch eine Frage der Ausbildung, ob ein Pferd glücklich mit dem Modell werden kann: „Dennoch denke ich auch, dass ein wirklich gut ausgebildetes Pferd sich grundsätzlich auf unterschiedliche Reiter einstellen kann. Genau das zeichnet für mich eine solide und faire Ausbildung aus: Dass ein Pferd die Hilfen versteht, ein gutes Grundvertrauen in die Arbeit mit dem Menschen entwickelt hat und sich dadurch auch von anderen Reitern sicher und harmonisch nachreiten lässt.“

Pferd leasen heißt auch Verantwortung übernehmen

Was bleibt, ist die Tatsache, dass Pferde in diesem Falle keinen eigenen Willen äußern können und wir für sie entscheiden, ob wir sie behalten, verkaufen oder verleasen. Und mit dieser Macht geht auch einher, dass wir unsere Verantwortung sehen und bestmöglich wahrnehmen. Und die sollte immer sein, dass unsere Entscheidung die beste für das Tier ist, nicht für unser Ego, nicht für unseren Geldbeutel oder weil es der bequemste Weg ist. Wir sind es unserem Tier schuldig.

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